Elsass, Paddeltour

Brücke

Die intensiven Bemühungen des grenzüberschreitenden Zweckverbands "Vis-à-Vis" um eine deutliche Verbesserung der Rheinüberquerung auf der Höhe Lahr/Erstein tragen Früchte.

Der für die Verteilung von EU-Fördergeldern nach dem Interreg-Programm zuständige Begleitausschuss hat für eine Machbarkeitsstudie einen Zuschuss von 50 000 Euro beschlossen.

"Wir vom grenzüberschreitenden Zweckverband Vis-à-Vis wollen das Zusammenleben in unserer Region fördern und mit der neuen Brücke die Bedingungen für Autofahrer, aber auch für Fußgänger und Radfahrer verbessern. Wir möchten ein komfortableres und sichereres Überqueren des Rheins erreichen. Daher freut es uns besonders, dass unser Projekt auf europäischer Ebene ebenfalls Anklang findet und mit der finanziellen Unterstützung eine fachlich fundierte Studie möglich ist", meint der Vis-à-Vis-Vorsitzende, Lahrs Oberbürgermeister Dr. Wolfgang G. Müller. Gleichzeitig bedankt sich Dr. Müller ausdrücklich beim federführenden Département für dessen Arbeit und allen Mitstreitern für die Brücke. Besonders lobt er den Einsatz von Théo Schnée, dem früheren Bürgermeistern der Stadt Erstein.

Die rund 100 000 Euro teure Studie soll im Bereich zwischen Schwanau/Gerstheim und Kappel/Rhinau unterschiedliche Trassenvarianten mit ihren Wirkungen vertieft untersuchen und verbunden mit Kostenschätzungen abschließend eine konkrete Empfehlung enthalten. Diese dient dann für Politik und Behörden als Entscheidungsgrundlage über die weitere Vorgehensweise. Nach einer europaweiten Ausschreibung wird die Machbarkeitsstudie vom Département Bas-Rhin in Auftrag gegeben. Neben der EU finanzieren auch die Région Alsace, das Département, der Zweckverband Vis-à-Vis sowie die Stadt Lahr mit.

Auf Höhe der Städte Lahr und Erstein fehlt eine effizient nutzbare Möglichkeit, den Rhein zu überqueren. Die vorhandene Querungsmöglichkeit über die Staustufe Gerstheim (D 426) verläuft größtenteils ohne separate Fuß- und Radwege zunächst auf der Rheininsel über eine private Straße der Electricité de France (EDF) und anschließend am (badischen) Ufer des Rheins insgesamt gut sechs Kilometer nach Süden, bevor sie bei Nonnenweier an das deutsche Straßennetz (L 100) angebunden ist und erst nach zwei Ortsdurchfahrten auf umwegigen Nebenstraßen auf die B 36 beziehungsweise die A 5 führt. Dieser Übergang wird den Beziehungen zwischen den Gemeinden im Raum Lahr-Erstein-Obernai seit langem nicht gerecht und schon gar nicht dem für die Zukunft angestrebten verstärkten grenzüberschreitenden Miteinander. So sind die Innenstädte von Lahr und Erstein Luftlinie nur rund 17 Kilometer voneinander entfernt, die Fahrzeit an einem durchschnittlichen Werktag beträgt jedoch gut 30 Minuten, kaum weniger als von Lahr in die rund 50 Kilometer entfernte Freiburger City.

Eine bessere Verbindung würde eine enorme Erleichterung für die Menschen links und rechts des Rheins bedeuten und eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts. Schließlich gibt es – abgesehen von der Fähre zwischen Rhinau und Kappel – keine weitere Querungsmöglichkeit auf der etwa 40 Kilometer langen Strecke zwischen der Brücke Altenheim-Eschau im Norden und dem Übergang bei Marckolsheim-Sasbach im Süden.

Bereits ab 1976 setzte sich die Interessengemeinschaft (IG) Obernai/Erstein – Lahr/Kinzigtal, die 52 elsässische und badische Gemeinden umfasste, für den Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Rheinbrücke Ottenheim-Gerstheim ein. Als Nachfolger der IG propagierte der grenzüberschreitende Zweckverband "Vis-à-Vis" von Anfang an unter anderem "die Schaffung der planerischen und politischen Voraussetzungen für den Bau eines Rheinübergangs auf dem Gebiet des Zweckverbands für Kraftfahrzeugverkehr, Fußgänger und Radfahrer". Dabei ist nicht an eine Verbindung mit überregionalem Charakter wie etwa bei der Brücke Altenheim/Eschau gedacht, sondern an eine Lösung für die kleinräumigen beziehungsweise lokalen Verkehrsbeziehungen.

Auf Initiative des Zweckverbands erstellte die für Infrastrukturmaßnahmen zuständige Fachbehörde des Département du Bas-Rhin 2005/06 eine erste vorbereitende Verkehrsstudie. Ihr sollte eine Machbarkeitsstudie folgen, in der unterschiedliche Trassierungen und ihre Wirkungen vertieft untersucht werden. Sie sollte vom Département an ein Fachbüro für Verkehrsplanung in Auftrag gegeben und vom Zweckverband mitfinanziert werden. Die Beteiligten prüften, unter welchen Voraussetzungen eine bis zu 50-prozentige Förderung mit EU-Mitteln nach dem ab Ende 2007 geltenden Förderprogramm INTERREG IV möglich wäre.